Vom 4. bis 7. Oktober 2026 begaben wir uns auf eine spannende und zugleich bewegende Reise nach Krakau. In den vier Tagen lernten wir die Stadt, ihre Geschichte und ihre kulturelle Vielfalt kennen. Neben beeindruckenden Sehenswürdigkeiten standen vor allem die jüdische Geschichte Krakaus und die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus im Mittelpunkt unseres Programms.

  1. Tag – Auf den Spuren der jüdischen Geschichte

Am 4. Oktober starteten wir unsere Reise nach Krakau. Am Nachmittag stand eine Stadtführung unter dem Titel „Vom Paradies Judeorum … bis zum Abgrund“ auf dem Programm. Dabei erkundeten wir das ehemalige jüdische Stadtviertel Kazimierz und erfuhren viel über das jüdische Leben, seine Traditionen und die Verfolgung während der NS-Zeit.

Kazimierz wurde 1335 von König Kasimir III. gegründet und entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem bedeutenden Zentrum jüdischer Religion und Kultur. Besonders beeindruckend war für uns die Remuh-Synagoge mit dem dazugehörigen jüdischen Friedhof. Die alten Grabsteine und die besondere Atmosphäre machten diesen Ort zu einem nachdenklich stimmenden Erlebnis. Neu war für mich auch der jüdische Brauch, kleine Steine auf Grabsteine zu legen.

Ein weiteres interessantes Detail war das Straßenschild der Ulica Kupa, auf dem neben dem polnischen Namen auch eine hebräische Beschriftung zu sehen ist.

Wir erfuhren außerdem, dass das Krakauer Ghetto während der deutschen Besatzung 1941 nicht in Kazimierz, sondern im Stadtteil Podgórze errichtet wurde. Tausende jüdische Menschen wurden dort unter menschenunwürdigen Bedingungen eingeschlossen, verfolgt und später in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Auch einige Drehorte des Films „Schindlers Liste“ waren Teil unserer Führung.

 

  1. Tag – Die Altstadt, der Wawel und Nowa Huta

Am zweiten Tag erkundeten wir am Vormittag die Krakauer Altstadt. Am großen Marktplatz bestaunten wir die Tuchhallen, das ehemalige Rathaus und die berühmte Marienkirche. Besonders der blaue Sternenhimmel und der beeindruckende Altar im Inneren der Kirche gefielen uns sehr. Außerdem kamen wir an der traditionsreichen Universität vorbei, die auf die Gründung durch König Kasimir den Großen zurückgeht.

Anschließend besuchten wir den Wawel, den geschichtsträchtigen Hügel mit seinem Königsschloss und der Kathedrale. Über Jahrhunderte hinweg wurden hier polnische Könige gekrönt. Wir erfuhren unter anderem von Königin Hedwig und ihrer Heirat mit dem litauischen Großfürsten Jagiełło, die eine wichtige Verbindung zwischen Polen und Litauen schuf. Auch die Zeit der nationalsozialistischen Besatzung wurde thematisiert. Der damalige Generalgouverneur Hans Frank hatte seinen Sitz auf dem Wawel.

Am Fuß des Hügels begegneten wir dem berühmten Wawel-Drachen. Der Legende nach lebte er in einer Höhle und bedrohte die Stadt. Ein Schustergeselle legte ihm ein mit Schwefel gefülltes Schaf vor. Nachdem der Drache es gefressen hatte, bekam er so großen Durst, dass er Unmengen Wasser aus der Weichsel trank und schließlich platzte. Heute erinnert eine Drachenstatue an diese Sage und spuckt regelmäßig Feuer.

Am Nachmittag ging es weiter nach Nowa Huta, einer Stadt, die nach den Vorstellungen des Sozialismus geplant und errichtet wurde. Besonders bewegend war die Geschichte der Kirche Arka Pana. Das kommunistische Regime wollte ihren Bau lange verhindern. Die Bevölkerung setzte sich jedoch entschlossen für eine eigene Kirche ein und verteidigte ihr Kreuz sogar mit dem eigenen Körper. Bei den Protesten kam es zu Todesopfern. Die außergewöhnlich gestaltete Kirche erinnert mit ihrer Form an ein Schiff und gilt bis heute als Symbol des Widerstands und des Glaubens.

 

  1. Tag – Auschwitz-Birkenau: Erinnern und Verstehen

Der dritte Tag führte uns nach einer etwa einstündigen Busfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz. Nach der Sicherheitskontrolle begann unsere Führung am bekannten Lagertor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“.

Während des Rundgangs erhielten wir erschütternde Einblicke in die Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers. Wir besichtigten verschiedene Baracken und erfuhren anhand von Fotografien und persönlichen Schicksalen mehr über das Leben und Leiden der Häftlinge. Besonders bedrückend waren die Ausstellungen mit den zurückgelassenen persönlichen Gegenständen, der Raum mit den Haaren der Ermordeten.

Anschließend fuhren wir in das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dort wurde das unvorstellbare Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen besonders deutlich. Die riesige Fläche des Lagers, die Überreste der Gebäude und die Erklärungen unseres Guides machten die grausamen Lebensbedingungen und die systematische Ermordung der Menschen greifbarer.

Zum Abschluss beschäftigten wir uns in einer Gruppenarbeit mit dem Leben der Kinder in den Konzentrationslagern. Dabei wurde deutlich, dass auch die jüngsten Häftlinge keineswegs verschont blieben. Wir stellten uns gegenseitig verschiedene Aspekte ihres Lebens vor und setzten uns mit ihren Schicksalen auseinander.

Der Besuch in Auschwitz-Birkenau war sicherlich einer der eindrucksvollsten und emotional schwierigsten Programmpunkte unserer Reise. Er hat uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig Erinnern und Aufklären sind.

 

  1. Tag – Die Schindler-Fabrik und die Heimreise

Am letzten Tag, dem Mittwoch, dem 7. Oktober, frühstückten wir um 8 Uhr und machten uns anschließend auf den Weg zur ehemaligen Schindler-Fabrik in Krakau.

Dort wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt und erhielten eine Führung durch das Museum. Wir erfuhren viel über das Leben von Oskar Schindler und darüber, wie er während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche jüdische Menschen vor der Deportation und Ermordung bewahrte, indem er sie in seiner Fabrik beschäftigte.

Besonders interessant waren die Einblicke in sein ehemaliges Büro sowie die verschiedenen Ausstellungsstücke. Alte Gegenstände, Straßenbahnen und nationalsozialistische Propaganda vermittelten ein anschauliches Bild vom Alltag in Krakau während der Besatzungszeit.

Nach der Führung hieß es schließlich Abschied nehmen. Wir stiegen in den Bus und machten uns auf den Weg zurück nach Wien.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die vier Tage in Krakau eine Mischung aus kulturellen Eindrücken, historischen Erkenntnissen und bewegenden Momenten war. Wir konnten nicht nur eine wunderschöne Stadt kennenlernen, sondern uns auch intensiv mit den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs und den Schicksalen der jüdischen Bevölkerung auseinandersetzen.

Besonders der Besuch von Auschwitz-Birkenau und die Führungen durch Kazimierz und die Schindler-Fabrik werden uns sicherlich lange in Erinnerung bleiben.

Wir kehrten mit vielen neuen Eindrücken, Wissen und Denkanstößen nach Hause zurück.

 

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